Warschau

Spaziergänge

Prag ist eine Stadt, die nicht nur in der Mitte Europas, sondern auch an einer Kreuzung der Kulturen liegt. Unsere geführten Spaziergänge bringen Ihnen die multikulturelle Geschichte Prags des 20. Jahrhunderts und seine Wandlung infolge der sich verändernden geopolitischen Situation näher. Sie erfahren, worauf die Identifikation der Einheimischen, Zuwanderer und Flüchtlinge beruhte, wo sich ihre Vereine und kulturellen Institutionen befanden und wie der Zweite Weltkrieg, Holocaust und die Ära des Kommunismus in ihr Zusammenleben eingriffen.

Lassen Sie sich zu unseren geführten Spaziergängen einladen, in die Cafés, Kinos, Häuser, Kirchen und Synagogen, in denen die Prager nicht nur ihr alltägliches Leben führten, sondern zu denen manchen von ihnen später der Zugang verweigert wurde, in denen sie sich vor der nationalsozialistischen Verfolgung versteckten und in denen sich auch weitere spannende Geschichten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abspielten.

Alle aktuellen Informationen zu den geplanten Spaziergängen finden Sie auf unserer Webseite:

Spaziergänge und andere Veranstaltungen

Geschichte lernen an Orten, wo sie geschrieben wurde.

Das Projekt „Geteiltes Prag“ des Multikulturellen Zentrum Prag realisierte bereits über 8 interaktive Programme für weiterführende Schulen ab der 10. Klasse in der tschechischen, englischen und deutschen Sprache. Während einer zweistündigen Besichtigung durch das Zentrum Prags machen sich die Schüler mit Schicksalen tschechischer, deutscher und jüdischer Geflüchteten vor dem Nationalsozialismus bekannt. Das Programm wird als keine klassische Besichtigung mit einem Begleiter gestaltet – Schüler arbeiten aktiv mit multimedialen Unterlagen an Tablets – sie lesen und diskutieren über Abschnitte aus Filmen oder zeitgenössischen Texten. Wenn Sie Interesse haben, Ihren Ausflug nach Prag durch diese spannende Aktivität zu bereichern, wenden Sie sich bitte an die Projekt-Koordinatorin unter der E-Mail-Adresse: zuzana.schreiberova@mkc.cz

Montag, 9. März 2015; Zeit: 17:00, Treffpunkt: Wenzelsplatz, „am Pferd“, „Wir bitten nicht, wir betteln nicht, wir verlangen nur unsere Rechte.“

anlässlich des Internationalen Frauentages Das Wahlrecht, das Frauen kurz nach der Entstehung der Ersten Tschechoslowakischen Republik erhielten, war ein Ergebnis jahrelanger Bestrebungen von Frauenaktivistinnen und ihren Förderern. „Das Stimmrecht wird kein allgemeines sein, solange die Frauen nicht miteingeschlossen werden“, war von den Rednertribünen bei Frauenversammlungen Anfang des 20. Jahrhunderts zu hören. Der Spaziergang führt uns an Schauplätze von Demonstrationen und Unterschriftenaktionen für das Frauenwahlrecht, die vor mehr als hundert Jahren in Prag (und nicht nur dort) stattfanden. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass der Kampf für die allgemeine Gültigkeit der Bürgerrechte noch nicht zu Ende ist.

Führung – Politikwissenschaftlerin Jitka Gelnarová. Eintritt frei

23.11.2014; Spaziergang mit Eva Bendová: „Ins Café! Juliš, Continental oder Metro?“

Ein geführter Spaziergang durch die Prager Cafés auf dem Wenzelsplatz, die in der Zwischenkriegszeit zum Treffpunkt der Boheme von Prag, von Intellektuellen, Politikern und Künstlern unterschiedlicher Generationen sowie unterschiedlicher Nationalität wurden. Seinen Abschluss fand der Spaziergang in dem historischen Café Montmartre, in dem der Dichter Vít Janota sein Werk vorstellte.

19.11.2014; Öffentliche Lesung von antifaschistischen Gedichten „No pasarán! Eine Lesung antifaschistischer Gedichte“

Bei der Abendlesung von ausländischen und einheimischen antifaschistischen Gedichten begeben wir uns zuerst in die Zeit der 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts, in der einige tschechische und deutsche Schriftstellerinnen und Schriftsteller auf die damaligen Gefahren des Phänomens des Faschismus in der zeitgenössischen Gesellschaft hingewiesen haben. Es folgt die Dichtkunst mutiger deutscher Antifaschistinnen und Antifaschisten aus dem zweiten Weltkrieg. Abschließend stellen die zeitgenössischen Autoren (Jan Škrob, Martina Malinová, Ondřej Slačálek u. a.) ihre aktuellen Texte vor, mit denen sie auf die zunehmende Tendenz zur Faschisierung der europäischen Gesellschaften aufmerksam machen wollen. Die Veranstaltung wird neben dem Multikulturellen Zentrum Prag (MKC) von der Initiative Nein zu Rassismus! (Ne rasismu!) im Rahmen des Festivals „Tag der Poesie“ mitveranstaltet.

14.10.2014; Spaziergang mit Jitka Gelnarová: „Wir bitten nicht, wir betteln nicht, wir verlangen nur unsere Rechte.“ Das Wahlrecht, das Frauen kurz nach der Entstehung der Ersten Tschechoslowakischen Republik erhielten, war ein Ergebnis jahrelanger Bestrebungen von Frauenaktivistinnen und ihren Förderern. „Das Stimmrecht wird kein allgemeines sein, solange die Frauen nicht miteingeschlossen werden“, war von den Rednertribünen bei Frauenversammlungen Anfang des 20. Jahrhunderts zu hören. Gerade vom Wenzelsplatz aus begab sich am 28.11.1905 ein großer Umzug von Frauenaktivistinnen und ihren Fürsprechern bis auf den Altstädter Ring, auf dem die Demonstrationen für das Wahlrecht für Frauen damals ihren Höhepunkt fanden. Jitka Gelnarová brachte den Teilnehmern die Hintergründe dieser Ereignisse näher, besonders die historischen und politischen Realien, die sie mit zeitgenössischen Fotografien umrahmte. Im Anschluss an den Spaziergang besuchten seine Teilnehmer den Klub der Reisenden (Klub cestovatelů), in dem ein Gedankenaustausch über die Möglichkeiten der Erteilung des Wahlrechts an die zurzeit in Tschechien lebenden Ausländer thematisch anknüpfte, an dem sich sowohl die Organisatoren als auch die Teilnehmer des Spaziergangs beteiligten.

20.09.2014 Spaziergang mit Eva Bendová: Prag für seine Gäste! Stoletá kavárna, Mánes, Trokadero…

Dem gesellschaftlichen Leben der Prager Boheme, der Künstler und Intellektuellen in Prag der Zwischenkriegszeit direkt dort nachzugehen, wo es sich abspielte. Das Geflecht von Beziehungen des deutsch-tschechischen Prags in Stein geschrieben. Der Spaziergang fand im Rahmen des Nachbarfestes Die Stadt anders erleben (Zažít město jinak) statt.

18.06.2014; Spaziergang mit Thomas Oellermann: Warteraum Prag – Prag als ein Zufluchtsort für Flüchtlinge vor dem Nationalsozialismus

In der Zeit zwischen 1933 und 1938 wurde Prag zum vorübergehenden Zufluchtsort von Flüchtlingen aus dem nationalsozialistischen Deutschland, von Juden und Gegnern des nationalsozialistischen Regimes. Der Anschluss nach dem Münchner Abkommen und die Verkündung des Protektorats bedeuteten nicht nur ein Ende für ihren sicheren Zufluchtsort, gleichzeitig mit ihnen zogen diesmal auch tschechoslowakische Bürger weg – Tschechen, Juden und Antifaschisten aus dem Sudetenland. Die dramatischen Schicksale der Flüchtlinge aus den Jahren 1933 und 1938/39 wurden während des Spaziergangs über Orte wieder lebendig, in die sie sich eingeschrieben haben, wobei auch auf allgemeinere Fragen der Flüchtlinge in der heutigen Welt hingewiesen wurde.

17.06.2014; Vorführung des Films „Die Stadt ohne Juden“

Eine Vorführung des expressionistischen Stummfilms von H. K. Breslauer aus dem Jahr 1924 mit live gespielter Musik des Komponisten Vojtěch Procházka anlässlich des 75. Jahrestags der Einführung der Nürnberger Gesetze in den böhmischen Ländern. Der Film über die Vertreibung von Juden aus einer ungenannten mitteleuropäischen Stadt war eine schaurige Vorahnung der späteren Schrecken des Antisemitismus, die einige Jahre später Europa erschütterten. Nach dem Film folgte eine Diskussion mit Prof. Jiří Holý vom Prager Zentrum für jüdische Studien an der Karlsuniversität und Michal Frankl aus dem Jüdischen Museum in Prag.

12.06.2014; Spaziergang mit Chad Bryant: Kollaboration, Zuträgerei Denunziation und Agenten Provocateure: Auf den Spuren von Jiří Arvéd Smíchovský

Der Spaziergang folgt dem Leben von Jiří Arvéd Smíchovský, einem Tschechisch sprechenden Prager, der schon kurz nach der nationalsozialistischen Besetzung zu einem berüchtigten Kollaborateur des Geheimdienstes wurde. Das Verfolgen seines Schicksals eröffnet den Blick auf das weitere Themenfeld der Kollaboration und des Denunziantentums während des Protektorats. Der Spaziergang wird mit einer Diskussion über die Retributionsprozesse der Nachkriegszeit abgeschlossen.