Národní muzeum

Nationalmuseum

An der Spitze des Wenzelsplatzes dominiert das prächtige im Stil der Neurenaissance erbaute Gebäude des Nationalmuseums. Die Institution des Nationalmuseums ist im Jahre 1818 auf Anregung der Aristokraten Kašpar Maria Graf von Šternberk und František Antonín Graf von Kolovrat-Libštejnsko entstanden. Der ursprüngliche Name sollte „Gesellschaft des Heimatsmuseums in Böhmen“ lauten, ab dem Jahre 1854 dann „Museum des böhmischen Königreiches“. Ab dem Jahre 1827 hat die Gesellschaft eine Zeitschrift herausgegeben und da ist auch der Museumsfond „Matice česká“ entstanden. Die Sammlungen des Heimatmuseums wurden ursprünglich in den Räumen des Klosters bei der Kirche des hl. Jakub in der Prager Altstadt gelagert, ungefähr ab der Hälfte des 19. Jahrhunderts dann im Nostic-Palais. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat sich die Gesellschaft darum bemüht, ständige Räumlichkeiten für ihre Zwecke zu finden und im Jahre 1876 hat sie dann schließlich ein Grundstück im oberen Teil des Wenzelsplatzes erworben. Der Bau des Museums lief in den Jahren von 1885 bis 1890 unter dem Projekt des Architekten Josef Schulz ab. Die feierliche Eröffnung fand am 18. April 1891 statt. An der Ausschmückung hat sich eine Reihe von bedeutenden Künstlern beteiligt, zum Beispiel die Bildhauer Bohuslav Schnirch, Antonín Wagner, Antonín Popp und die Maler Vojtěch Hynais, Václav Brožík oder Julius Mařík. In der Zeit seiner Existenz gab es im Museum tausende Ausstellungen. Bestandteile des Museums sind eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeitsplätzen, Büchereien und Archive.

Das Nationalmuseum figurierte in der Zeit seiner Existenz in einigen bedeutenden geschichtlichen Ereignissen und Wendungen, die sich auch mehrmals am Gebäude abzeichneten. Kurz nach der Okkupation siedelten im Museum Einheiten der nationalsozialistischen Armee. Am Ende des Krieges hat zunächst eine Schießerei das Gebäude gebrandmarkt, später auch der Bombenfluganschlag, der den mittleren Trakt mit den Arbeitsräumen und zoologischen Sammlungen des Gebäudes beschädigt hat. Weiteren Schaden musste das Nationalmuseum während der Augustokkupation durch die Armeen des Warschauer Paktes, davon tragen. Die Hauptfassade des Gebäudes wurde zum Ziel der Schießerei der sowjetischen Soldaten auf angebliche Kontrarevolutionäre. Ein Jahr später hat sich am Brunnen vor dem Gebäude der Student Jan Palach aus Protest gegen die Okkupation und passiv die tschechische Gesellschaft, verbrannt. Zu einer weiteren Gefahr wurden die Gebietsänderungen und die Modernisierung des Verkehrs der Stadt. Beim Ausbau der U-Bahnlinie A ist es zu mehreren Beschädigungen gekommen (Verlust der aus Gusseisen künstlerisch geschmückten Fahnen, Risse im Mauerwerk usw.). Eines der ernsteren Risiken war der Ausbau der sogenannten Nordsüd-Magistrale, die das Museum von zwei Seiten mit Fahrstreifen umringte. Von da an wird das Gebäude von ständigem Lärm, Vibrationen und erhöhtem Stauben beansprucht. Zurzeit verläuft im historischen Gebäude des Nationalmuseums eine Rekonstruktion.

 

Autor: Michael Polák

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